Zecken gehören auch im Schwarzwald zur Natur. Sie können Krankheitserreger übertragen, doch ein Aufenthalt im Wald bedeutet nicht automatisch eine Erkrankung. Für Wanderer sind drei Dinge entscheidend: vor dem Aufenthalt den FSME-Impfschutz prüfen, unterwegs Zeckenkontakt möglichst vermeiden und nach der Tour den Körper absuchen. Die folgenden Hinweise helfen bei der Reiseplanung und beim Verhalten nach einem Stich.
Auf einen Blick
- Zecken halten sich vor allem in bodennaher Vegetation auf, etwa an Gras und Wegrändern.
- Viele Kreise in Baden-Württemberg sind laut Robert Koch-Institut FSME-Risikogebiete. Die aktuelle Karte ist maßgeblich.
- Gegen FSME gibt es eine Impfung; gegen Lyme-Borreliose derzeit keine allgemein verfügbare Schutzimpfung.
- Nach einer Tour Kleidung und Körper absuchen und eine angeheftete Zecke zeitnah entfernen.
- Bei Wanderröte, Fieber oder anderen Beschwerden nach einem Stich ärztlichen Rat einholen.
Wo kommen Zecken im Schwarzwald vor?
Zecken leben nicht nur tief im Wald. Begegnungen sind auch an Waldrändern, auf Wiesen, in Gärten und entlang bewachsener Wege möglich. Sie warten in niedriger Vegetation auf vorbeistreifende Tiere oder Menschen. Wer auf einem breiten, freien Weg bleibt, verringert den Kontakt zu Gras und Gebüsch. Eine Garantie ist das nicht: Schon eine kurze Pause am Wegrand kann genügen.
Der Schwarzwald umfasst ganz unterschiedliche Landschaften und Höhenlagen. Eine pauschale Aussage, welcher Wanderort sicher oder gefährlich ist, wäre deshalb wenig hilfreich. Auch bei bekannten Zielen wie Feldberg oder Titisee ist Vorsorge sinnvoll. Entscheidend sind Vegetation, Wetter und die konkrete Aktivität, nicht allein der Ortsname.

Wann ist Zeckensaison?
Zeckenaktivität hängt von Temperatur und Feuchtigkeit ab. Ein fester Kalender mit einem sicheren Anfang und Ende der Saison existiert nicht. Im Frühjahr bis Herbst ist das Thema für Wanderer besonders präsent; milde Winter können ebenfalls Aktivität ermöglichen. Verlassen Sie sich daher nicht darauf, dass ein Ausflug im März oder November automatisch zeckenfrei ist. Nach einer Tour durch Gras oder Unterholz ist eine Kontrolle auch außerhalb der klassischen Sommermonate sinnvoll.
Heiße, trockene Tage können die Aktivität in manchen Bereichen beeinflussen, doch feuchtere Stellen bleiben möglich. Gerade die Mischung aus Wald, Wiesen und schattigen Tälern macht den Schwarzwald zu einer Region, in der Aufmerksamkeit über die Saison hinweg angebracht ist.
FSME im Schwarzwald
FSME steht für Frühsommer-Meningoenzephalitis. Die Viruserkrankung kann durch einen Stich infizierter Zecken übertragen werden. Viele Land- und Stadtkreise Baden-Württembergs sind auf der jährlich aktualisierten FSME-Karte des Robert Koch-Instituts als Risikogebiete ausgewiesen. Die genaue Einstufung sollte vor einer Reise anhand dieser Karte geprüft werden; Gemeindegrenzen und Wanderrouten entsprechen nicht einfach den Grenzen eines Risikokreises.
Die Ständige Impfkommission empfiehlt die FSME-Impfung für Personen, die in Risikogebieten Zecken ausgesetzt sind. Wer regelmäßig wandert, zeltet, im Garten arbeitet oder mit Kindern viel in der Natur unterwegs ist, kann den individuellen Schutz rechtzeitig vor der Reise ärztlich besprechen. Die Impfung schützt gegen FSME, nicht gegen Borreliose oder gegen den Zeckenstich selbst. Auch geimpfte Personen sollten sich nach dem Aufenthalt absuchen.
FSME kann unterschiedlich verlaufen. Allgemeine Reiseführer können eine ärztliche Einschätzung bei Beschwerden nicht ersetzen. Wenn nach einem Zeckenstich Fieber, starke Kopfschmerzen oder neurologische Beschwerden auftreten, sollte das medizinisch abgeklärt werden. Notieren Sie den Stich und den ungefähren Zeitpunkt, damit Sie die Information bei Bedarf nennen können.
Lyme-Borreliose: nicht mit FSME verwechseln
Lyme-Borreliose wird durch Bakterien verursacht und kommt in Deutschland auch außerhalb der FSME-Risikogebiete vor. Der wichtigste sichtbare Hinweis kann eine sich ausbreitende Hautrötung sein. Sie muss nicht immer wie ein sauberer roter Ring aussehen und kann auch an anderer Stelle als direkt um die Stichstelle auftreten. Ein kleiner roter Fleck unmittelbar nach dem Entfernen kann dagegen eine lokale Reaktion sein. Wenn sich eine Rötung ausbreitet oder Beschwerden hinzukommen, lassen Sie die Stelle ärztlich beurteilen.
Gegen Lyme-Borreliose gibt es keine allgemein verfügbare Impfung. Die Erkrankung kann bei rechtzeitiger Diagnose mit Antibiotika behandelt werden. Der Schutz beginnt deshalb bei der Vermeidung von Stichen und der zügigen Entfernung festgesogener Zecken. Ein Zeckenstich allein bedeutet nicht, dass eine Behandlung nötig ist.
So schützen Sie sich auf Wanderungen
Kleidung und Wege
Geschlossene Schuhe, lange Hosen und ein möglichst geringer Hautkontakt zu hohem Gras sind einfache Maßnahmen. Helle Kleidung macht krabbelnde Zecken leichter sichtbar. Wer durch dichte Vegetation läuft, kann die Hosenbeine über die Socken ziehen. Das ist nicht elegant, aber praktisch. Bleiben Sie auf dem Weg, wenn Sie das Gelände nicht aus einem bestimmten Grund verlassen müssen.
Bei einer Rast ist eine Bank, eine freie Fläche oder eine Unterlage günstiger als hohes Gras. In der Nähe von Seen und auf Lichtungen gilt derselbe Grundsatz wie im Wald: niedrige Vegetation kann Zecken beherbergen. Ein Picknickplatz ist nicht automatisch frei von ihnen.
Repellents und Kontrolle
Zeckenschutzmittel können eine zusätzliche Hilfe sein. Beachten Sie die Gebrauchsanweisung, die Dauer der Wirkung und die Eignung für Kinder. Kein Mittel ersetzt die Kontrolle nach dem Aufenthalt. Kleidung sollte ebenfalls geprüft werden, bevor Zecken später im Auto oder in der Unterkunft auf die Haut gelangen.
Untersuchen Sie besonders warme, geschützte Körperstellen: Kniekehlen, Leisten, Achseln, Bauchnabel, Haaransatz und hinter den Ohren. Bei Kindern ist der Kopfbereich wichtig. Eine zweite Person oder ein Spiegel hilft an schwer einsehbaren Stellen. Duschen kann den Blick auf den Körper erleichtern, ersetzt aber das gezielte Absuchen nicht.
Zecke entfernen: Was ist zu tun?
Entfernen Sie eine angeheftete Zecke möglichst zeitnah mit einer feinen Pinzette, Zeckenkarte oder einem geeigneten Entferner. Fassen Sie das Tier möglichst nah an der Haut und ziehen Sie es kontrolliert heraus. Vermeiden Sie es, den Körper zu quetschen. Öl, Klebstoff oder andere Hausmittel gehören nicht auf die Zecke. Reinigen Sie anschließend die Stichstelle und beobachten Sie sie in den folgenden Wochen.
Wenn ein kleiner Teil im Hautbereich zurückbleibt oder die Entfernung nicht gelingt, kann eine Arztpraxis helfen. Versuchen Sie nicht, mit einer Nadel tief in der Haut zu stochern. Für die spätere Beobachtung kann ein Foto der Stelle mit Datum nützlich sein. Treten Fieber, eine sich ausbreitende Rötung oder andere auffällige Beschwerden auf, suchen Sie ärztlichen Rat und erwähnen Sie den Stich.
Nach einem Stich ist Panik nicht angebracht. Nicht jede Zecke trägt Krankheitserreger, und nicht jede Übertragung führt zu einer Erkrankung. Gleichzeitig sollte man Symptome ernst nehmen und nicht allein anhand eines Internetartikels entscheiden, ob sie harmlos sind.
Zecken bei Kindern und Hunden
Kinder spielen häufig im Gras und bemerken eine Zecke nicht unbedingt sofort. Nach einem Ausflug hilft eine feste Routine beim Absuchen. Erklären Sie älteren Kindern in einfachen Worten, worauf sie achten können. Für Säuglinge und kleine Kinder wählen Sie ein Schutzmittel nur entsprechend der Altersangabe oder nach fachlichem Rat.
Auch Hunde können Zecken aus dem Gelände mitbringen. Kontrollieren Sie Fell und Haut nach Spaziergängen und besprechen Sie geeigneten Zeckenschutz mit einer Tierarztpraxis. Ein Hund, der nach der Tour auf Sofa oder Bett liegt, kann noch nicht festgesogene Zecken in die Unterkunft tragen. Die Kontrolle des Tieres ergänzt also den Schutz der Menschen.
Für welche Ausflüge ist die Vorsorge besonders wichtig?
Bei einer Stadtbesichtigung ist die Exposition meist geringer als bei einer Wanderung durch Wiesen und Wald, aber auch Parks können Zecken beherbergen. Besonders aufmerksam sollten Sie bei längeren Touren, beim Camping, beim Sammeln im Wald und beim Spielen auf naturbelassenen Flächen sein. Wer mehrere Tage im Schwarzwald verbringt, nimmt einen kleinen Zeckenentferner in die Reiseapotheke auf.
Informationen zu anderen Tieren in der Region finden Sie auch bei Schlangen im Schwarzwald und Wildschweinen im Schwarzwald. Für die Planung der Wanderkleidung hilft zudem ein Blick auf Klima und Wetter.
Unterkunft im Schwarzwald
Für Wanderungen über mehrere Tage können Sie Hotels und Ferienwohnungen nach Lage und Anbindung vergleichen.
Ausflüge und Aktivitäten
Prüfen Sie vor einer geführten Tour Strecke, Ausrüstung und Treffpunkt.
Häufige Fragen zu Zecken im Schwarzwald
Sind Zecken nur im Sommer aktiv?
Nein. Die Aktivität hängt vom Wetter ab. Besonders in der warmen Jahreszeit ist Vorsorge wichtig, bei mildem Wetter aber auch außerhalb dieser Monate.
Schützt die FSME-Impfung vor allen Zeckenkrankheiten?
Nein. Sie richtet sich gegen FSME und schützt nicht vor Lyme-Borreliose. Kleidung, Repellent und Absuchen bleiben wichtig.
Muss man nach jedem Stich zum Arzt?
Ein Stich allein erfordert nicht automatisch einen Arztbesuch. Bei Beschwerden, sich ausbreitender Rötung oder Unsicherheit sollte eine medizinische Fachperson die Situation einschätzen.
Kann ich auf Wanderwegen Zecken vermeiden?
Auf breiten Wegen ohne Kontakt zu Gras und Gebüsch ist das Risiko geringer, aber nicht null. Untersuchen Sie sich nach der Tour trotzdem.
Zecken in anderen Urlaubsländern und Regionen
Zecken in anderen Urlaubsländern und Regionen
Weitere Informationen: Robert Koch-Institut zu zeckenübertragenen Erkrankungen.
Was eine FSME-Risikokarte aussagt
Die Einstufung eines Kreises als Risikogebiet beruht auf gemeldeten FSME-Erkrankungen und statistischen Kriterien. Sie bedeutet nicht, dass jede Zecke dort infiziert ist. Umgekehrt schließt eine fehlende Einstufung einzelne Fälle nicht aus. Für die persönliche Entscheidung über eine Impfung sind deshalb sowohl die offizielle Karte als auch die geplanten Aktivitäten wichtig. Wer im Urlaub täglich durch hohes Gras läuft, hat andere Kontakte als jemand, der sich überwiegend in einer Innenstadt aufhält.
Das RKI aktualisiert die Karte jährlich. Eine alte Grafik in einem Blog sollte nicht als dauerhafte Liste von Risikokreisen verwendet werden. Reisende, die mehrere Teile des Schwarzwalds besuchen, können die Kreise ihrer tatsächlichen Route nachsehen. Fragen zu Impfabständen und individuellem Schutz klären Sie rechtzeitig mit einer Arztpraxis.
Warum schnelles Entfernen wichtig ist
Eine Zecke lässt sich nach einem Spaziergang manchmal entdecken, bevor sie festgesogen ist. Deshalb lohnt die Kontrolle von Kleidung und Haut sofort nach der Rückkehr. Bei einer bereits angehefteten Zecke sollte man nicht warten, bis eine Arztpraxis öffnet, wenn ein geeignetes Werkzeug vorhanden ist und man sie selbst sicher entfernen kann. Verzichten Sie auf das Einölen oder Zerdrücken des Tieres. Notieren Sie für spätere Fragen, wann und an welcher Körperstelle der Stich war.
Für Lyme-Borreliose kann die Dauer des Saugens eine Rolle spielen; bei FSME kann eine Übertragung früher erfolgen. Daraus folgt nicht, dass man nach einem kurzen Stich sicher geschützt ist. Es erklärt aber, warum die zügige Entfernung und anschließende Beobachtung sinnvoll sind. Ein pauschaler Antibiotikaeinsatz nach jedem Stich ist keine einfache Standardlösung und gehört in ärztliche Hände.
Typische Fehler bei der Vorbereitung
Ein häufiger Fehler ist, nur an dichten Wald zu denken. Wiesen am Ferienhaus, bewachsene Wege zu einem See oder der Rand eines Rastplatzes verdienen ebenfalls Aufmerksamkeit. Ebenso wenig reicht ein einmaliges Einsprühen für einen ganzen langen Wandertag, wenn die Wirkdauer des verwendeten Mittels kürzer ist. Lesen Sie die Packungsangaben und kontrollieren Sie den Körper auch nach einem scheinbar unkomplizierten Spaziergang.
Bei Kindern werden Kopfhaut und Haaransatz leicht übersehen. Bei Erwachsenen geraten Rücken und schwer einsehbare Hautfalten aus dem Blick. Eine feste Routine am Abend ist hilfreicher als gelegentliche Kontrollen nach Gefühl. Bewahren Sie Zeckenkarte oder Pinzette so auf, dass sie unterwegs erreichbar ist und nicht im Koffer unter vielen anderen Dingen liegt.
Wenn Beschwerden erst später auftreten
Wanderröte kann sich erst nach Tagen entwickeln. Auch Fieber oder andere Beschwerden können verzögert auftreten. Erwähnen Sie bei einem Arztbesuch einen Zeckenstich und den Aufenthaltsort, selbst wenn die Reise bereits vorbei ist. Nicht jedes Symptom lässt sich auf den Stich zurückführen, aber diese Information hilft bei der Einordnung.
Eine fotografierte Stichstelle kann Veränderungen dokumentieren. Diagnosen anhand eines Fotos oder einer Internetsuche sind jedoch unzuverlässig. Bei ernsthaften Beschwerden oder neurologischen Symptomen ist rasche medizinische Hilfe wichtiger als das Abwarten auf eine deutlich sichtbare Hautveränderung.
Reiseapotheke für Wanderungen
Ein kleiner Zeckenentferner und eine Möglichkeit zur Reinigung der Haut nehmen kaum Platz ein. Legen Sie beides zusammen mit Pflastern und persönlicher Medikation an einen festen Ort im Tagesrucksack. Bei mehrtägigen Touren sollten Mitreisende wissen, wo das Werkzeug liegt. Nach der Wanderung kontrollieren Sie Körper und Kleidung auch dann, wenn Sie einen Repellent verwendet haben.
Für die Impfberatung ist ein Blick in den Impfpass vor dem Urlaub sinnvoll. Eine bereits geplante Reise sollte nicht dazu verleiten, ohne fachliche Beratung ein Impfschema selbst zu verkürzen. Besprechen Sie die konkrete Exposition, Vorerkrankungen und den Zeitraum mit einer medizinischen Fachperson.
Bei einer Wanderung mit einer größeren Gruppe hilft es, diese Hinweise vorab zu teilen. Nicht alle kennen die Unterschiede zwischen FSME und Borreliose oder wissen, wo ein Zeckenentferner liegt. Eine kurze gemeinsame Kontrolle nach der Tour ist sinnvoller als eine alarmierende Warnung ohne praktische Schritte.